Erste Winterbesteigung im Herbst

Unterwegs auf dem Jubiläumsgrat

Am Freitag wollten wir das von den Wetterfröschen versprochene Hoch nutzen, um den Jubiläumsgrat noch vor dem nahenden Winter zu überqueren. Der Jubiläumsgrat verbindet die Zugspitze mit der Alpspitze und ist ein hochalpiner Grat, nicht zu vergleichen mit einem Klettersteig. Der erste Teil des Grates ist kaum versichert und einige Stellen sind als 3er Kraxelei klassifiziert. In der Mitte befindet sich ein Biwak, der zweite Teil ist dann etwas einfacher und größtenteils drahtseilversichert.

 

Tobi und ich machten uns um 6 Uhr morgens auf den Weg um die erste Gondel um 8 Uhr vom Eibsee zur Zugspitze zu erwischen. Im Vorfeld hatten wir das Wetter noch einmal geprüft und mussten feststellen, dass es am Vortag am Grat geschneit hatte. Vorsorglich waren unsere Steigeisen an den Rucksäcken montiert und wir waren gespannt, was uns erwarten würde. Am Gipfel war schnell klar, dass dies keine leichte Gratüberschreitung werden würde. Wir zogen die Steigeisen an und starteten als erste - und wohl einzige an diesem Tag. Vom Zugspitzgipfel zogen wir die ersten Spuren in den knöcheltiefen Schnee. Am Grat selbst war es ein Mix aus Eis, Schnee und Felsen und unsere Steigeisen kratzten teilweise gewaltig über den Fels. Besonders die schneefreien Stellen waren eine Herausforderung für mich, war ich zuvor noch nie mit Steigeisen gelaufen. Dies war wahrscheinlich auch der Grund warum ich einmal bei einer Kletterstelle abrutschte und mir einen Stein ins Knie rammte (abends in Kempten wurde ich zum ersten Mal genäht, vier feinsäuberliche Stiche und ein Sportverbot für die kommende Woche).

Am Grat blickte man links und rechts tief hinunter ins Höllen- und Reintal, ein falscher Tritt war definitiv nicht erlaubt. Nach einiger Zeit und zwei Abseilstellen beschlossen wir am Seil weiterzugehen. Das Seil gab viel Sicherheit, bestand hier zumindest die Möglichkeit einen Absturz zu verhindern. Die Vorstellung auf die andere Seite des Grates springen zu müssen, um Tobi im Falle des Falles halten zu können, schob ich aber bewusst ganz weit zur Seite.

Vom "Hoch" konnten wir den ganzen Tag nichts bemerken, wolkenverhangen lag der Grat vor uns, teilweise schneite es leicht und es fühlte sich definitiv nicht nach einem herbstlichen Tag an - Momente in denen sich die Vorfreude auf den Winter und die Skisaison ganz schnell im letzten Winkel versteckt. Nach sechs Stunden erreichten wir die Weggabelung zur Knorrhütte. Durch die Steigeisen und die schlechten Witterungsbedingungen waren wir weit hinter unserem Zeitplan. Es blieben nur zwei Möglichkeiten: Entweder der Abstieg über den Brunntalgrat zur Knorrhütte oder aber eine Nacht im Biwak - ohne Schlafsack und Gaskocher. Wir entschieden uns abzusteigen. Vor uns lagen noch zwei weitere Stunden Gratwanderung bis zur Knorrhütte. Da der Brunntalgrat relativ schnell schneefrei war, konnten wir die Steigeisen ausziehen - die Leichtigkeit die ich dadurch verspürte war grandios. An folgenden Abseilstellen kraxelten wir einfach vorbei, ohne die Ringe eines Blickes zu würdigen und merkten hier erst, wie schwierig die Bedingungen am Jubiläumsgrat waren. Bei der Knorrhütte angelangt war es schon früher Abend, es lagen noch 17 km Abstieg vor uns. Im Dunklen liefen wir dann noch durch die Partnachklamm, die tosenden Wassermassen in den Ohren um dann in Partenkirchen anzukommen. Zwei Mitfahrgelegenheiten später standen wir um 10 Uhr abends wieder am Parkplatz der Eibseebahn.

 

Wir waren froh und sicher die richtige Entscheidung getroffen haben. Der winterliche Jubiläumsgrat ist defintiv eine Zweitagestour und wir wollen auch bald zurückkehren und dieses Muss eines jeden Möchtegern-Alpinisten abhaken. 

 

Am Samstag stand es uns dann nach gemütlicher Sonnenscheintour und es verschlug uns nach Füssen zum Sportklettern.


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