Ein Blick hinter die Kulissen einer schottischen Hochzeit



Ist Schottland für uns noch Neuland? Keine Ahnung. Aber wir haben immerhin sechs Tage dort verbracht und ganz neue Landschaften erkundet. Geschuldet war der Kurztrip der Einladung unseres Adventure-Freundes Peter zu seiner Hochzeit in den Highlands. Ein Besuch ohne Räder, dafür mit unseren feinen Scarpa Bergschuhen - und wer hätt's gedacht, unsere Füße waren tatsächlich die Einzigen, die warm und trocken blieben.

 

Zwei Tage sind wir im wunderbaren Cairngorms Nationalpark den alten (erstaunlicherweise oft gut ausgebauten) Pfaden gefolgt. Ganz nach dem Motto "four seasons in a day" hatten wir hier von Schneeschauern bis hin zu Sonnenschein alles mit dabei. Für den ersten Tag hatte uns der Busfahrer empfohlen auf jeden Fall noch zum An Lochan Uaine, einem türkisen Bergsee hochzulaufen. Wir übernachteten im Cairngorm Lodge Hostel (übrigens sehr zu empfehlen) und bekamen dort den Tip, auf den Meall a' Bhuachaille hochzulaufen. Für uns hier kein richtiger Berg, sondern eher ein kleiner Hügel. Mit den schottischen Wetterverhältnissen war diese Rundtour dann aber doch anspruchsvoller als gedacht. Wir wanderten erst durch einen üppigen grünen Wald um uns dann plötzlich in einer kargen Heidelandschaft wiederzufinden. Anfangs noch im T-Shirt (es ist ja schließlich Mai!) mussten wir dann doch kapitulieren und wechselten zu Regenjacken und Hauben angesichts des Windes und der herumtreibenden Schneeflocken. Gott sei Dank immer Gaskocher und Espressokanne mit dabei, hatten wir was zu aufwärmen. Den Gipfel markierte ein Steinhaufen, voll mit vom Wind festgeeisten Schneekristallen. Kurzer Blick auf den Loch Morlich und zack wieder Richtung Tal. Am Rückweg stoppten wir kurz am An Lochan Uaine um dann einem kleinen Pfad zurück nach Glenmore zu folgen. Definitiv eine schöne Einstiegstour! Am Abend erkundeten wir noch Loch Morlich und die Pfade am Rande des Sees, vor allem bei Sonnenuntergang ein magischer Ort.

Am zweiten Tag war der Ursprungsplan auf den Ben Mac Dui zu steigen. Aber zuviel Schnee, keine Karten dabei und auch keine Eisäxte - also lieber eine Rundtour durchs Tal. So zogen Holger und ich los und umrundeten erst einmal Loch Morlich um dann auf der anderen Seite dem Tal folgend immer leicht bergan zu steigen. Nach einer Stunde wurde der breite Fahrweg zu einem schmalen Waldpfad und wir fühlten uns wie im Dschungel. Umgeben von satten Grüntönen und einem Mix aus Bäumen, Sträuchern und Moosen wanderten wir weiter, bis wir wieder eine Heidefläche erreichten. Die Weite der Ebene, die schneebedeckten Berge und die stürmische Atmoshäre versetzten uns in eine Stimmung als seien wir Expeditionsteilnehmer. Zwischendurch liefen wir durch dichtes Schneetreiben, gefolgt von Sonnenschein und dann wieder unerbittlich kaltem Wind. Ein bisschen fühlten wir uns, als ob wir auf den Kilimanjaro zuliefen (so wie man das sich halt vorstellt aus Filmen), die Heidelandschaft war karg bis auf ein paar riesige "Savannenbäume". Immer mit Blick auf den Lairig Ghru wanderten wir durchs Tal und weiter durch den Chalamain Gap hinüber zum Cairngorm Ski Center und zurück zum Hostel - grandiose Blicke und allein auf weiter Ebene.

 

Freitag Abend verbrachten wir dann in Inverness bei Freunden mit denen wir am nächsten Morgen am Loch Ness entlang spazierten und wie gehabt nach Nessie Ausschau hielten. Schön war die Sicht auf diesen riesigen See, entfernt die weißen Bergspitzen und direkt vor uns eine Woge von Gelb - dornige Büsche, deren sonnengelb uns überall ins Auge fiel.

Das Wochenende waren wir in Geanie's House vollends beschäftigt, umgeben von Kilts tanzten wir beim Ceiligh durch die Nacht. Besonders begeistert war ich von der Einteilung der Tische, wir fanden unsere Namen am "Bolsterlang" Tisch - der Ort an dem unsere gemeinsame Geschichte mit Peter begann.

Geschlafen haben wir nun endlich unten am Strand im "Bothy" - einem alten Steinhaus. Nachdem ich meine anfängliche Abneigung gegen Ungeziefer abgelegt hatte, wars dann eigentlich ganz gemütlich (auf Holgers Kommentar hin, dass es im Dschungel auch nicht besser sei, meinte ich grantig: Ich will aber sowieso nicht in den Dschungel! --> Das kostet mir bestimmt irgendwann mal eine Reise nach Südamerika :) ). Sonntag morgens gab es überraschend original Schweizer Käsefondue und den Blick auf die stürmische See.

Kalt war es - die ganze Zeit. Aber auf den Fotos lächeln alle.

 

Den Montag verbrachten wir größtenteils im Auto - positiv gesehen: Zufällig nahm uns Helen mit an die West Coast, da sie ihre Schwiegermutterin in Lochcarron besuchen wollte. Wir wanderten dann in den Hügeln hinter deren Anwesen herum und genossen die schottisch/australische Gastfreundschaft und parsnip-carrot soup. Abends waren wir dann schon zurück in Edinburgh und bekamen unser lang ersehntes Ale und Live-Musik. Den Dienstag hatten wir als City-Tag geplant, bei strömendem Regen joggten wir den Arthur's Seat hoch und fühlten uns in den Nebelschaden und Starkwind wie auf einem Drei-Tausender. Mittags erkundeten wir vor allem die Spezialitäten-Regale bei M&S bevor wir uns wieder auf den Weg ins warme Deutschland machten. Ein echt feiner Kurztrip mit ganz viel zu erzählen.

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