Bike & HIKE Georgien

Mit Bikefex im Kaukasus

Reise

von Kutaissi über Tiflis in den Kaukasus

 

Must-dos

regional Essen, Tiflis erkunden,

 

Mit dabei

Unsere Litevilles, Sommerkleidung und Daunenjacke für 38 Grad versus windige Tage und kalte Nächte im Kaukasus


Reiseroute

Von Memmingen kann man direkt nach Kutaissi fliegen und dann ganz leicht mit dem Nachtbus nach Tiflis. Von dort geht es nur mit 4x4 Fahrzeugen über den Abanopass nach Tuschetien.

In Tiflis kann man gut laufen oder Bus fahren, für einen Abstecher ans Schwarze Meer haben wir uns ein Taxi geleistet und um die Umgebung von Kutaissi zu erkunden kann ich das Hotel Magnolia empfehlen (man bekommt den Enkel als Fahrer und der kann ganz gut Englisch)


Tipps und Tricks

Mit den Rädern zu reisen ist gar nicht unbedingt so einfach. Bis heute bin ich mir nicht sicher, warum es so einen Aufstand gab, als wir mit dem Bus von Tiflis nach Kutaissi wollten. David hatte sich mit den Damen am Ticketschalter herumgestritten, am Ende zahlten wir einfach den doppelten Preis und saßen im Bus. Es gibt eigentlich nur einen Tipp fürs Rumreisen mit den Rädern in einem Land in dem man kein Wort versteht: Ruhe bewahren

 

Beim Taxi fahren lieber ein ordentliches Taxi auswählen: Ich habe noch nie so viele Kontrollleuchten aufblitzen sehen wie bei dem Taxler, der uns nach Batumi brachte. David meinte, es wird grad diskutiert TÜV in Georgien einzuführen – das würde aber wahrscheinlich 95% der Autos aus dem Rennen werfen.

 

Lokal Essen: Es gibt unendlich viele Varianten von Khachapuri– dem „Käsebrot“ Georgiens. Und (fast) alle sind lecker, wenn man sie warm aufgetischt bekommt und nicht um 6 Uhr morgens als Frühstück mit einem großen Glas grüner Limonade (Tarchuna – Estragon Limonade). Richtig lecker und das einfachste Gericht ist das Brot, das man bei den Bäckern kaufen kann. Es heisst Tonis und wird mit viel Liebe in einen riesigen Tonkessel geklatscht. Schmeckt besonders gut mit Bohnenfüllung.

 

Den Einheimischen Vertrauen: Schön fanden wir auch, dass man auf den Märkten nicht übers Ohr gehauen wird. Man hat insgesamt das Gefühl, dass alles sehr sicher und ehrlich ist. Auch im Hotel Magnolia (das in Echt ein bisschen wilder aussah als auf booking) wurden wir herzlich willkommen geheissen und der Besitzer schickte uns mit seinem Enkel los, um die Umgebung zu erkunden. Natürlich gegen ein kleines Entgelt, aber in dem Fall stimmten wir zu und hatten einen "Sigthseeing Nachmittag" mit Naturpark und Höhkenbesichtigung.


DAs ist Georgien für mich

  • Georgien hat wahnsinnig viel zu bieten und ist vor allem landschaftlich und kulturell super abwechslungsreich. Die Natur hat uns natürlich mal wieder besonders gut gefallen.
  • Ganz grauenhaft, fand ich die betrunkenen Tuscheten, die dann noch mit ihren Familien im Auto fahren wollten. Laut David wohl eine nicht besonders schöne Eigenart mancher Georgier. Genauso wie die aufbrausende und laute Art.
  • Georgien ist für mich ein bunter Mix, an Menschen, an Früchten, an Arm und Reich, an hippen jungen Menschen die unserem westlichen Gedankengut recht nahe sind und alten Georgiern, die immer noch meinen die Besatzung durch Russland war doch gar nicht so schlecht.
  • Die hochgelobte Gastfreundschaft....da sind wir uns noch nicht ganz einig ob das stimmt. Ich bin mir sicher, dass es stimmt, aber wir waren zu kurz und "im falschen Reisemodus" unterwegs. Davids Mama war wahnsinnig gastfreundlich - sie hielt uns aber auch für verrückt mit unseren Rädern. Sie lies uns bei der Abreise nicht gehen, bevor nicht das eigens gebackene Khachapuri fertig war. In Tuschetien waren sie gefühlt nicht so gastfreundlich. Wir kamen aber auch sehr unnahbar in unserer großen Gruppe an. Wenn man sich mehr Zeit nimmt, um die Leute kennenzulernen, findet man sie bestimmt überall - diese Gastfreundschaft.

Was wir erlebt haben

Von wilden Hunden und langen Tragepassagen

Ein Knurren links neben mir, ein Hecheln. Dann wechselt er nach rechts. Panik steigt in mir auf.

Ich bin ja wirklich hundsfreundlich. Und so schnell kriegt mich kein Hund klein. Aber der riesige, schmutzigweiße, aggressive Hütehund der neben meinem Fahrrad und in gefährlicher Nähe zu meinen Waden läuft, macht mir Angst. So viel Angst, dass ich in mir unvertraut hohe Quietschstimme zu kreischen beginne: „Holger, Hiiiiilfe“. Damit hatte der Hund nicht gerechnet, schrickt zusammen und entscheidet sich doch lieber bei seiner Schafherde zu bleiben. Mein Herz schlägt noch eine Zeit lang schneller. Und auch jedes Mal wieder wenn wir in diesem Urlaub auch nur entfernt Hunde sehen.

 

Georgien ist wild. Und schön. Und weit und leer. Wenn man es mal auf die Hochebene nach Tuschetien geschafft hat, gibt es wirklich nur mehr wenige Menschen, viele Schafe und wahnsinnig tolle Landschaft. Und die Hütehunde. Unser Guide James von Mogzauri  Rent hatte uns vorgewarnt und hat auch immer zwei „Dog Teaser“ dabei. Gleichzeitg kann man aber auch in der Nähe von Rene von Bergfex bleiben. Er streichelt die Hunde zu Tode und zeigt keinerlei Angst – scheint zu funktionieren.

 

Durch die Standnachbarschaft mit Bikefex auf der Alpinmesse sind wir über ein paar glückliche Wendungen mit unseren Rädern in Georgien gelandet. Haben einen Freund in Tiflis besucht – bzw. dessen Mutter, die er wiederum gerade besuchte – und waren eben radeln.

 

Tiflis hat uns gut gefallen – eine Metropole aber eben noch nicht ganz so weit entwickelt wie unsere Städte. Chaotisch, verfallen, hipp, Bolschewiken-Style, je nachdem in welchem Stadtteil man unterwegs ist. Wir hatten den Vorteil mit einem Georgier unterwegs zu sein. So war die Kommunikation deutlich einfacher  und wir kamen immer da an wo wir auch hinwollten. Nachmittags, wenn er Mittagsschlaf hielt, schnappten wir unsere Räder und erkundeten die stadtnahen Trails. Bei 38 Grad zwar ungewohnt, aber durch die trockene Hitze gar nicht so unangenehm.

Vom Big City Life ging es dann mit Bikefex in die Abgeschiedenheit der Berge. Wir hatten uns im Vorfeld Sorgen gemacht, dass wir 1500 Höhenmeter am Tag im Sattel hochtreten müssten. Weit gefehlt – wir durften sie hochtragen. Lediglich an einem Tag gab es tatsächlich eine „Straße“, der man folgen konnte. Ansonsten haben wir die Rader einen Großteil der Zeit am Rücken nach oben getragen. Und sind Trails gefahren auf denen bisher nur James beim Scouten und sonst Pferde unterwegs sind. Da die Wanderpfade für Pferde angelegt bzw. von Pferden ausgetreten wurden, war ein Großteil flowig zu fahren. Immer mit dem Wahnsinnspanorama des Kaukasus, mit Gletschern und 4.000ern im Blickfeld.

 

Einzigartig wurde die Reise neben den wirklich guten Trails durch das einheimische Essen, die Einblicke in Kultur und Lebensgewohnheiten und das kalte Bier nach dem Baden  im noch kälteren Fluss.

Nach fünf Tagen im Kaukasus wollten wir die letzten beiden Tage noch zum Erkunden nutzen. Wir suchten uns ein Hotel in Kutaissi und fuhren bis ans Schwarze Meer nach Batumi. David hatte behauptet, dass man das gesehen haben müsse, da es vom wirtschaftlichen Aufschwung durch Tourismus aber auch den damit verbundenen Schwierigkeiten zeuge. Und genau so war Batumi – arm und reich nebeneinander – Luxus und fehlender Wohlstand. Little Las Vegas von Georgien. Das Eindrücklichste war aber die Taxifahrt dorthin. Die ersten 10 Minuten war es ja noch witzig, irgendwann wurde es mir aber doch mulmig und als wir endlich ankamen, war ich heilfroh aus dem Taxi rauszukommen. Die Erinnerung an die „Hand auf der Hupe“, die ihren Platz nie verlassen hat, wird mir genauso bleiben wie die über uns thronenden Hütehunde.

In Kutaissi waren wir dann wie schon erwähnt noch mit dem Enkel des Hotelbesitzers unterwegs. Er fuhr mit uns zur Prometheus-Höhle, einem wirklich beeindruckenden Höhlenkomplex und nach Sataplia, einem Naturpark in dem man Dinosaurier-Spuren bewundern kann. Es schien ihm und seinem Großvater ganz wichtig, dass wir auch ein bisschen etwas von der Umgebung sehen und sie wirkten beide stolz als wir einwilligten mitzukommen und die Sehenswürdigkeiten lobten.