25 Tage Peru

Peru - Land der Gegensätze

Reise

Südperu: von Lima über Ica nach Arequipa und dann nach Cusco und über die Anden zurück

 

Must-dos

Sandboarding, Trekking in den Anden, Pisco Sour trinken, Lamas streicheln, Mountainbiken, Ruinen anschauen

 

Mit dabei

Fahrradhandschuhe, 3 Kameras, Kletterschuhe, Biwak- und Schlafsack


Reiseroute

Von Lima über Ica/ Huaccachina und den Colca Canyon nach Cusco.

Cusco ist der perfekte Startpunkt für Eintages-Ausflüge, Biketouren und Wanderungen. Schließlich noch ein paar Tage in Ollantaytambo, samt Aguas Calientes und Machu Picchu.

Zurück lohnt sich der Flug von Cusco nach Lima.


Tipps und Tricks

Peru war echt schön. Aber gleichzeitig war es auch echt anstrengend und wir schwankten oft zwischen Begeisterung und Genervtheit.

Gegensätze die ganze Zeit! Egal ob bei der Landschaft (Wüste bis Regenwald) oder den Menschen (superfreundlich bis superabzockend)

 

Bewusst reisen. Wichtig ist erstmal zu kapieren, dass man manches, aber nicht alles akzeptieren muss. Manchmal lohnt es sich nachzufragen wie ein Preis zustande kommt und gleichzeitig aber darüber nachzudenken, wo das Geld hingeht. Irgendwann hatten wir die Schnauze voll von abgezockt werden. Aber als ich das Gesicht unseres Guides sah, als ich ihm die Dollarnoten in die Hand drückte und er mir erklärte: "Por los caballos, por Florentino, por mi familia", bereute ich keinen Moment ihm so viel zu zahlen.

Eine Frau mit Kind, die auf der Fahrt im Collectivo neben uns saß, schwärmte von den Alpen. Als ich zugeben musste, dass ich grade mal ein Jahr für eine solche Reise sparte (und sie acht Jahre), wurde mir -mal wieder- bewusst, wie gut es uns geht. Das soll nicht heißen, dass es gerechtfertigt ist, immer den Touripreis zu zahlen. Aber es soll heißen, bewusst durch das Land zu reisen. Ich ärgere mich noch jetzt, dass ich der Frau im Collectivo keinen handgemachten Schmuck abgekauft habe (den sie erst erwähnte, als ich sie fragte was sie arbeitet).

Tee trinken, Tee trinken. Ich bin großer Muna Fan, aber auch Coca Blätter und ganze Kamille sind fein. Muna ist auch so etwas wie eine Heilpflanze und hilft besonders bei einem verstimmten Magen oder Erkältung.

Ausflüge selber machen. In meinem Stefan Loose Guidebook war eine Wanderung von Chinchero nach Lamay beschrieben. Die größte Herausforderung war, den Transport organisiert zu bekommen. Die Wanderung ist zwar nicht beschildert, aber leicht zu finden. Und so kann man immerhin eigenständig auf 4.300 m wandern, noch eine Ruine besuchen und ganz unabhängig von Lamay aus zurückfahren. Selbes gilt für Maras und Moray und die unterschiedlichen anderen Stationen des boleto turistico.

Straßenstände meiden. Ich habe mir durch "zu mutig sein" Typhus und einen Parasiten über einen Chifa-Straßenstand in Chivay eingefangen. Definitiv nicht witzig.

Vegetarisch Essen in Cusco. Das bis jetzt beste Angebot an vegetarischem Essen, das ich je gesehen habe. Besonders zu empfehlen ist das Green Point im Viertel San Blas und Jack's Cafe (der Burrito ist der Hammer!).


DAs ist Peru für mich

  • Besonders schön fand ich die weiten Hochebenen. Das goldgelbe Gras, der blaue Himmel und weit entfernt die hohen Berge.
  • Erschreckend fand ich, wie man von einer Hochkultur hin zu riesigen Müllbergen und dem Raubbau der Mineralien abdriften kann - den Spaniern sei's Dank.
  • Beeindruckt war ich von der Gelassenheit, mit der ein paar Peruaner Stunden damit zugebracht haben einen LKW im Colca Canyon von A nach B zu bringen. Wir wanderten an einer staubigen Straße entlang und überholten uns gegenseitig immer wieder, da der LKW immer wieder liegenblieb. Am Ende konnten wir ihnen zujubeln, als sie ein letztes Mal mit einer großes Staubwolke an uns vorbeirauschten.
  • Ungläubig musste ich einsehen, dass das was wir außerhalb Limas sahen keine Slums sind. Es handelte sich bei den "Hüttchen" um die tatsächliche Bauweise von Häusern quer durchs Land.
  • Vor allem oder vielleicht trotz allem ist Peru aber ein freundliches Land für mich. Wir hatten so viele Schauergeschichten gehört, fühlten uns aber (fast) immer sicher und herzlich empfangen.

Lieblingsgeschichten

Arriba Arriba

Wenn es darum ging, in welche Richtung wir mangels sichtbarem Pfad laufen sollten, meinte unser Guide immer nur "arriba, arriba". Einfach weiter hoch!

Mein Highlight der Reise war eine etwas chaotische und gänzlich ungeplante zweitägige Wanderung ganz am Ende unseres Triptrips - mit zwei Einheimischen und zwei Pferden.

Wir waren schon ein paar Tage aus Cusco raus und noch immer hatte ich im Hinterkopf, dass man doch in den Anden mal mit Lasttieren irgendwo über die 4.000 hm-Grenze wandern müsse, um in einem Zelt zu schlafen. Trekking halt. Dafür fährt man doch in die Anden.

Da wir aber unterwegs immer wieder (eher unsportliche) Reisende trafen, die uns erzählten sie wollen den Inca Trail , Salkantay oder Wieauchimmer Trek machen, waren wir etwas abgeschreckt davon uns einer großen Gruppe anzuschließen. In Cusco haben wir durch die Vielzahl der undurchsichtigen Angebote dann endgültig beschlossen, dass das nichts für uns ist.

Als wir aber dann in einem netten Guest House in Ollantaytambo unterkamen, in dem eine Kanandierin arbeitete, konnte ich mir die Frage nicht verkneifen, ob sie nicht einen Guide kenne. Und so lernten wir Wither kennen....

Nach einigen Überlegungen einigten wir uns auf eine der von ihm vorgeschlagenen Touren. Kriterien waren, dass wir mit Pferden losziehen wollten und es sollte eine Rundtour sein. Er schlug uns dann die Übernachtung am Fuße eines Gletschers vor und erwähnte, dass es keinen "real hiking path" gäbe - damit hatte er uns sofort überzeugt und gleichzeitig dachten wir dass ein bisschen Weg ja sicher ausreiche.

Die Wanderung war dann tatsächlich die abenteuerlichste Wanderung seit Langem. Wir wanderten gemeinsam mit Wither und einem einheimischen Bauern, Florentino, und seinen beiden Pferden hoch zu seiner Rinderhochweide. Er hatte aber wohl nicht bedacht, dass schwer beladene Pferde mehr Raum in Anspruch nehmen als die dünnen Kühe. Dementsprechend dauerte der Aufstieg mit Auf- und Abpacken der Pferde vor Dickicht und Hindernissen aller Art einige Zeit. Teilweise trugen wir unsere Rucksäcke auch einfach selbst, um die Pferde zu entlasten. Bis heute habe ich keine Ahnung, wie sie die Pferde nach oben gebracht haben. Wir sollten dann immer ein bisschen vorlaufen. Sobald kein Pfad mehr in Sicht war und wir nicht mehr wussten wohin, meinte Wither immer nur "arriba, arriba": nach oben.

Am Ziel auf ca. 4.300 m angekommen genossen wir the peruvian way of life: Erstmal chillen. Coca Blätter kauen. Ein Zelt aufbauen. Dann wieder chillen. Egal ob Regenwolken im Anmarsch sind oder nicht. Dann irgendwann das zweite Zelt aufbauen.

Der Abend verlief dann genauso entspannt, nach mehrmaligem Bitten durfte ich Zwiebel schneiden und Wither kochte für uns das beste Essen seit Langem (er ist wohl auch Koch). Dann erklärte er uns in seinem Spanisch-Englisch-Gemisch, was es mit den Mythen rund um die Berge hinter uns auf sich hätte, woher die Quechua Namen kämen und warum Berge für die Inka so wichtig waren. Gemeinsam opferten wir etwas von unserem extra mitgebrachten Rotwein für den Berg und kletterten recht bald etwas frierend und hundemüde in unsere Schlafsäcke.

Am nächsten Morgen gab es Frühstücks-Picknik mit Bergblick und bis wir endlich gepackt hatten, war es fast Mittags. Ich war ja überzeugt, dass der Weg zurück nicht schlimmer sein könnte als unser Aufstiegspfad. Falsch gedacht. Statt durchs Gebüsch, führten uns unsere Guides entlang der typischen, steilen goldgelben Andenhänge wieder aus dem Tal. Holger und ich hatten mit Wanderschuhen schon Probleme hier ordentlich zu laufen. Dazu kam noch die ständige Angst, dass eines der Pferde abstürzen würde. Hochachtungsvoll ziehe ich den Hut vor Tornado und Pinton, die unsere ganze Ausrüstung wohlbehalten wieder zurück gebracht haben (samt einer 5 L Gasflasche).


Endlich wieder Farbe

Die Anden sind ja wirklich wunderschön. Aber immer nur goldgelb ist dann doch irgendwann langweilig. Als wir uns auf den Weg zu Machu Picchu machten (wir verzichteten auf jegliche Touren und kauften einfach ein Zugticket nach Aguas Calientes), durchquerten wir eine weitere Vegetationszone in Peru - den Bergwald. Am Ankunftstag wanderten wir noch entlang der Schienen zu einem kleinen botanischen Garten und freuten uns über die Vielfalt an Pflanzen und Tieren. Wir sahen Papageien, irgendein großes Huhn, jede Menge unterschiedliche Schmetterlinge und einen Kolibri. Man mag nun denken, das ist aber nicht viel. Im Gegensatz zu so manch anderen Teilen Perus, ist das allerdigs biologische Vielfalt hoch 10. Und Farben, überall unterschiedliche Farben.

Machu Picchu war natürlich auch beeindruckend, die Lage der Ruinenstätte kann man tatsächlich als mysthischen Ort bezeichnen. Wir haben immer wieder bei einzelnen Gruppen reingehört, die meisten Guides haben allerdings ein bisschen wirre Geschichten erzählt. Wer die Tatsachen hören möchte bzw. das was bekannt ist (und das ist nicht wahnsinnig viel), dem sei geraten sich einen richtigen (=teuren) Guide zu suchen, der ordentlich Englisch spricht. Den Aufstieg auf den Montana würde icha uch jedem empfehlen, sowie die kurze Wanderung zum Sonnentor. Alles in allem, kann man wirklich einen ganzen Tag oben in den Wolken verbringen, ob sich um 4 Uhr anstellen lohnt ist aber fraglich. Menschen sind dort oben eh immer, da lohnt es sich eher bis zu späten Nachmittag auszuharren.



Bike Spirit

Was gibt es besseres, um ein Land kennen zu lernen, als Biken und Feiern mit Locals?


Wir hatten ganz schön Glück. Nach einem missglückten Versuch vom Allgäu aus eine Biketour mit einem Local in Peru zu organisieren, hatte ich die Hoffnung eigentlich schon aufgegeben und mich auf einen bikefreien Urlaub eingestellt. Die Fahrradhandschuhe waren allerdings sowieso schon im Gepäck und je mehr Singletrails wir vor Ort entdeckten, desto präsenter wurde die Bike-Idee. Dank eines Artikels im Enduro Mag und einer kurzen Facebook-Stalk-Aktion hatten wir dann doch ein paar Adressen von bikefreudigen Peruanern und mit etwas Glück war dann tatsächlich einer in Cusco.

 

Mitsuru lebt eigentlich in Lima und arbeitet in der, nach seiner Aussage, bald modernsten und besten Klinik in Südamerika. Er war für einige Tage bei seinen Eltern in Cusco zu Besuch und war selbst super froh darüber, dass jemand mit ihm unter der Woche Zeit auf dem Rad verbringen kann. Das Peruanische Liftsystem ist etwas gewöhnungsbedürftig, mir aber definitiv lieber als mit dem Rad Schlepper zu fahren.

Die gänigen Linienbusse nehmen einen für 3 Soles eine halbe Stunde bergauf mit, auf einen Bergkamm über Cusco. Die Räder werden nicht auseinadergebaut und im Kofferraum verstaut, sondern liegen während der Fahrt unter einem Netz auf dem Dach des Busses - für teure Räder nicht zu empfehlen.

Oben angekommen sind wir einen sandigen Trail nach Pisac abgefahren, wurden kurze Strecken von bellenden wilden Hunden verfolgt, haben einen Fluss überquert, den man in der Regenzeit nur über einen einzelnen dünnen Baumstamm überwindet und haben uns im Tal mit lokalen Spezialitaeten verköstigt. Irgendeine Art Calzone und Inka Cola. 

Von Pisac aus ging es schon gekonnt und selbstverstaendlich wieder mit dem Bus Richtung Cusco und auf des Locals liebsten Trails zurück in die Stadt.

 

Abends sind wir dann noch mit Mitsuru und seinen Freunden feiern gegangen. Nur so viel: Sie trinken gern und viel und bevor nicht alle Flaschen leer sind, wird nicht tanzen gegangen.